Spiegelseele

Über das Leben einer multiplen Persönlichkeit (kontakt.spiegelseele@gmail.com)
Mittwoch, 8. Juni 2016
Psycho
Wie wichtig ist das Thema Essen in unserer heutigen Gesellschaft? Wir haben in unserer Klasse auch muslimische Schüler/innen. Diese fasten momentan, denn es ist ja Ramadan. Daher sind wir heute in der Schule darauf gekommen, welche Gesellschaftsaktivitäten denn komplett das Thema Essen ausschließen. Dabei ist uns garnicht so viel eingefallen. Wenn man schwimmen geht isst man hinterher oft Pommes oder Eis, wenn man ins Kino geht kauft man sich Popcorn oder Chips. Wenn man sich einfach so verabredet geht man essen, bestellt Pizza für den Film am Abend oder reicht Häppchen zum lockeren quatschen auf dem Sofa. Und selbst wenn man dies nicht tut taucht immer wieder die Frage auf: Was gibt es zum Mittag- oder Abendessen.
Das ist ganz besonders toll für Menschen wie uns. Denn wir haben ja unter anderem auch eine Essstörung. Wenn man diesem Thema dann praktisch nicht ausweichen kann, führt das häufig zu Stress. Stress erzeugt Druck und um diesen Druck wieder loszuwerden verschlimmert sich dann die Essstörung. Eine Abwärtsspirale aus welcher man nur schwer ohne Hilfe entkommt.
Natürlich ist das kein Muss und es kann auch ganz anders ablaufen. Aber bei uns trifft es zu.
Wir dürften beispielsweise auch nicht fasten, wobei wir das eigentlich gerne machen würden... Das Problem ist, dass wir einfach nicht wieder anfangen würden vernünftig zu essen, sobald wir irgendeine Art von Druck hätten.

Wo wir grade schon bei unseren Störungen sind, machen wir auch genau da einfach mal weiter!
Jeden Abend liegen wir in unserem Bett und brechen zusammen, weil wir nicht wissen wie wir weiter Leben sollen und absolut keine Idee haben ob wir die Schule irgendwie schaffen können. Wir wollen aber niemanden verletzen und nach und nach endet es jede Nacht damit, dass wir verzweifelt und voller Schmerzen nach Luft ringen. Schlafen tun wir ja sowieso kaum.
Wir haben auch große Angst davor, dass wir wieder anfangen uns selbst zu verletzen, da wir nicht wissen ob das nicht wieder in einem Suizidversuch enden würde...
Es ist grade ziemlich schwer für uns uns nicht einfach aufzugeben sondern weiter zu kämpfen.

Wir brauchen Hilfe, aber diese würden wir nur von einer Person annehmen. Aber wir wollen auch niemandem auf die Nerven gehen... Daher wird da nichts passieren.
Aber wir kämpfen weiter!

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Montag, 6. Juni 2016
Zufall, Schicksal oder Pech?
Die Mutter einer Freundin von uns hat vor kurzem die Diagnose Brustkrebs bekommen. Zuerst war nicht klar ob sie die nächsten Wochen überlebt, jetzt konnte der Tumor aber doch operativ entfernt werden. Jedoch hatte das Gewebe um den Tumor wohl eine so ähnliche Konsistenz, dass die Ärzte nicht mit Sicherheit sagen können, ob auch wirklich alles weg ist... Zur gleichen Zeit hatte auch noch der Vater besagter Freundin einen Fahrradunfall und musste ebenfalls ins Krankenhaus. Ihm geht es zwar wieder soweit gut, aber ein Schock war es dennoch.
Heute haben wir nun auch noch mitbekommen, dass unser Vater anscheinend Probleme mit seinem Herzen hat und unklar ist wie gefährlich das ist.
Dementsprechend geht es uns und vorallem unserer Mutter grade nicht gut.
Zudem hatten wir letzte Nacht wieder einen Zusammenbruch. Wir haben kaum geschlafen, hatten Schmerzen und wussten überhaupt nicht wie wir die nächsten 6 Wochen Schule bis zu den Sommerferien schaffen sollten. Wir wussten nichtmal wie wir auch nur einen einzigen Tag schaffen könnten... Dafür lief der heutige Tag erstaunlich gut! Mathe, Deutsch, Englisch und zwei Stunden Musik... Naja toll war es nicht, aber ich glaube auf einem ähnlichen Level wie es momentan allen geht. Also wirklich gut auszuhalten! :-)

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Mittwoch, 1. Juni 2016
Verständnislos
Ich halte mich in großen und ganzen für einen Mensch, der relativ viel Verständnis entwickeln kann.
Aber der Klinik, in der meine Schwester zur Zeit untergebracht ist, steh ich an machen Tagen verständnislos gegenüber.

Ich kann ihr Methoden zum Teil einfach nicht nachvollziehen.
Ich meine, klar ist Struktur wichtig, aber... Geht das nicht manchmal zu weit?
Regeln für alles und Sanktionen, sobald etwas nicht klappt?
Keine Erklärungen für die Regeln, keine Hilfe bei Schwierigkeiten?

Die gesamte Station hatte bis heute eine Sanktion, weil sie "insgesamt zu unruhig" ist.
Keine Medienzeit, kein Zucker (Nachtisch, Süßgetränke, Naschsachen), keine Ausflüge.

Heute wurde diese Sanktion für alle aufgehoben - bis auf drei Kinder.
Darunter - natürlich - meine Kleine.
Bei ihnen hätte die Sanktion nicht angeschlagen.
Bei July sieht das wie folgt aus: Sie verstellt sich zu sehr und sie hat heute rumgeschrien.

Das Verstellen zeigt sich in folgendem: Sie fordert keinen Trost von den Erwachsenen, wenn es ihr schlecht geht und ist momentan sehr aufgedreht.
Ich würde das auf mangelndes Vertrauen gegenüber der Betreuungskräfte und Aufregung aufgrund großer Veränderungen (Montag ist Vorstellungsgespräch bei einer Einrichtung, in die sie vllt zieht und heute hat sie ihren Vater gesehen (nicht getroffen, nur gesehen)) zurückführen und finde beide verständlich.
Aber natürlich ist das Interpretationssache.

Das rumschreien würde ich hingegen sogar als Fortschritt empfinden.
Sie hat ja bekanntlich ein Aggressions- und Regulationsproblem, sie wird von ihrer Wut überrollt und weiß nicht wohin mit ihr.
Heute hat ihr ein Junge auf dem Klettergerüst ein Bein gestellt, die ist dadurch heruntergefallen und hat ihn angeschrieen.
Noch vor zwei Wochen hat sie den gleichen Jungen mit Steinen beschmissen, als er sie beschimpft hat.
Ihr wurde darauf hin gesagt, vllt wäre es sinnvoller, ihrer Wut durch schreien Luft zu machen.
Aber das war eine andere Betreuerin.

Außerdem sei sie sehr patzig geworden, als es eine Meinungsverschiedenheit mit einer Betreuerin gab.
Diese meinte, unsere Mutter rauchen gesehen zu haben, July sagte, sie sei Nichtraucherin.
Die Betreuerin meinte, July würde lügen, July wiederholte, unsere Mutter sei Nichtraucherin.
Unsere Mutter ist tatsächlich seit 27 Jahren strickte und überzeugte Nichtraucherin.

Und so geht es weiter. Diese Situationen häufen sich einfach. Ich kann irgendwo für jede Verständnis aufbringen, ich kann nachvollziehen, wie sie entstehen und zT sogar die Intention dahinter.
Aber das allgemeine Prinzip verstehe ich nicht.

Ich finde es unübersichtlich. Ich glaube nicht, dass es langfristig helfen kann.
Und ich glaube nicht an Kontrolle und Strafe.
Ich glaube, dass Regeln an die individuelle Situation angepasst sein müssen, dass sie verständlich sein müssen.
Und ich glaube an Verständnis, Vertrauen und positive Verstärkung.
Klar, glaube ich auch, dass Struktur sinnvoll sein kann! Grade bei psychisch instabilen Menschen... Aber in dem Fall müsste es doch um Halt durch Struktur gehen, und nicht um das Einsperren und Unterdrücken durch Regeln?

Oder sehe ich das zu engstirnig, weil es um meine Schwester geht?

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Deutsche Bahn
Unsere Mutter muss manchmal auf Arbeitsreise. In den letzten zwei Wochen war dies wieder der Fall. Zuerst Berlin, dann Recklinghausen. Da sie etwas einsam war und es ihr nicht so gut ging und wir außerdem einen Ausweg gesucht haben um nicht zur Schule gehen zu müssen, haben wir sie also in Recklinghausen besucht und abgeholt. Da wir erst in zwei Monaten (1 Monat, 25 Tage, 12 Stunden, 30 Minuten :-D) 18 werden... Lief das ganze per Bahn! Ja genau! Wir sind zuerst 3 1/2 Stunden mit der Bahn hingefahren, wobei ein Wagen versehentlich nicht mit angehängt wurde, weshalb es zu wenig Sitzplätze gab und die Reservierungen aufgehoben wurden. Ansonsten verlief die Fahrt aber gut und OHNE Verspätung! Auf der Strecke muss man in Münster einmal umsteigen. Das führte auf dem Rückweg natürlich dazu dass wir über eine Stunde am Hauptbahnhof Münster standen, da unser Anschlusszug (***Trommelwirbel***) ganze 45 Minuten Verspätung hatte. Zum Glück steigerte dies sich im Verlauf der Fahrt nicht mehr, sodass wir dann letzten Endes eine 40 Minuten später als geplant unser Ziel erreichten.
Was für ein Abenteuer!

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